Das Konzentrationslager Dachau im Spiegel der Nachkriegsliteratur
Dr. Norbert Göttler
Die Geschehnisse im Konzentrationslager Dachau von 1933 bis 1945 sind durch eine Vielzahl von Tagebüchern, Erinnerungen und wissenschaftlichen Abhandlungen bestens dokumentiert. Weniger bekannt ist, dass „Dachau“ auch Eingang in die erzählende Literatur der Nachkriegszeit genommen hat. Im Folgenden einige ausgewählte Beispiele.
Klaus Mann (1906-1949) und Erika Mann (1905-1969)
Thomas Manns Sohn Klaus war im Mai 1945 als Sonderberichterstatter der US-Armeezeitung „Stars and Stripes“ in München unterwegs, wo er zahlreiche Interviews (u.a. mit Hermann Göring) führte und sein zerstörtes Elternhaus in der Münchner Poschingerstraße aufsuchte. In diesem Zusammenhang besichtigte er auch das eben befreite Konzentrationslager Dachau.1 Seine Schwester Erika war nach 1945 als Kriegsberichterstatterin ebenfalls in Bayern unterwegs. Ein Besuch des KZ Dachau ist nicht belegt, aber ein literarischer Hinweis in ihrem Text „Besuch bei Karl Haushofer“ von 1946. Dort erzählt sie, wie ihre Begegnung mit dem Hess-Vertrauten Haushofer („Das Gehirn des Führers“) und seiner Gattin auf dem Gut Hartschimmel bei Herrsching in einer peinlichen Skurrilität endete. Während sie das Interview mit Haushofer führte, habe ihr US-amerikanischer Begleitoffizier, Major Coker, den Enkelkindern des greisen Paares im Jeep sein Fotoalbum gezeigt. Bei Abschied sei man darauf aufmerksam geworden:
„Wie nett!“ rief Frau Haushofer aus und fügte hinzu, dass dies ihre Enkel seien und sie sich gerne schöne Bilder ansähen. Wir warfen einen Blick auf den Band – der allerdings eine höchst erschreckend illustrierte Geschichte des Konzentrationslagers Dachau enthielt. Die beiden Alten prallten vor dem Anblick zurück, keiner von ihnen gab mehr einen Laut von sich.“ 2